28.12.2020

"Wie gross isch Gott?" VIII, 29. Dezember

Bei der Kalenderlektüre ist mir noch ein Bild begegnet, welches die Grössenverhältnisse zwischen Gott und den Menschen eindrücklich vor Augen führt.

Das Gleichnis vom Kamel, das durch ein Nadelöhr geht, hat Christian Morgenstern zu diesem heiteren und doch besinnlichen Gedicht verholfen:

Die Probe 

Zu einem seltsamen Versuch

erstand ich mir ein Nadelbuch.

Und zu dem Buch ein altes zwar,

doch äusserst kühnes Dromedar.

Ein Reicher auch daneben stand,

zween Säcke Gold in jeder Hand.

Der Reiche ging alsdann herfür

und klopfte an die Himmelstür.

Darauf Petrus sprach: Geschrieben steht,

dass ein Kamel weit eher geht

durchs Nadelöhr als du, du Heid,

durch diese Türe gross und breit.

Ich, glaubend fest an Gottes Wort,

ermunterte das Tier sofort,

ihm zeigend durch das Nadelöhr

ein Zuckerhörnchen als Douceur.

Und in der Tat. Das Vieh ging durch,

obzwar sich quetschend wie ein Lurch.

Der Reiche aber sah ganz stier

und sagte nichts als: Wehe mir.

 

Christian Morgenstern: Gesammelte Werke

Vielleicht gelingt der Versuch ja auch mit einem übriggebliebenen Weihnachtsguezli!?

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